Jonk Lénk: Stellungnahme zum Koalitionsabkommen zwischen LSAP und CSV: Sozialabbau und kein Ende: Das Beispiel des Sektors „Handel“
Jetzt kommt nach den Wahlen also der « decke Hummer ».
Im Nachhinein betrachtet kommt einem die Manif vom 16.Mai wie das kollektive Pfeifen im dunklen Walde vor.
Im Angesicht der Systemkrise sind die Angriffe des Kapitals auf Arbeitsqualität und Arbeitszeit ernster zu nehmen als in den Jahren zuvor.
Im Sektor Handel wurde das Thema Öffnungszeiten wie alle Jahre seitens des Patronats auf die Forderungenliste gesetzt.
Zu behaupten, längere Öffnungszeiten würden Arbeitsplätze schaffen, ist entweder naiv oder eine Lüge. Von großzügigen 40-50 neuen Stellen wurde als Gegenleistung zur Ausweitung der Samstagsöffnungszeiten gesprochen.
Welch Lächerlichkeit!
Schon heute könnten massiv mehr Arbeitsplätze im Sektor geschaffen werden, auch ohne längere Öffnungszeiten. Die massiven Profite im Sektor stehen diametral entgegengesetzt zur Situation der Beschäftigten.
Im Alltag zeigt sich nämlich folgendes Bild:
Seit Jahren wird Personal eingespart und immer öfter müssen einzelne Personen zeitweise mehrere Abteilungen betreuen, sitzen KassiererInnen samstags bis zu 10 Stunden ohne Pipipause auf ihrem Platz, arbeiten Angestellte im Verkauf oft länger als die täglich erlaubte Arbeitszeit. Und immer öfter werden saisonal für den Patron günstige Wiedereingliederungsmaßnahmen Arbeitsloser oder auch Leiharbeiter als Kompensation fehlender Vollzeitstellen eingesetzt.
Das alles, gepaart mit heute schon familienfeindlichen Arbeitszeiten und erbärmlicher Entlohnung, rundet das prekäre Bild ab.
Die neue Kampagne der CLC „la vente – un métier passionant“ erzeugt bei Verkäuferinnen und Verkäufern allenfalls noch verständnisloses Kopfschütteln.
Den Menschen wird mittels Radio und TV weisgemacht, gutt Affären am Wochenende seien das A und O einer gelungenen Freizeitgestaltung. Die Züchtung einer oberflächlichen Konsumgesellschaft bringt natürlich auch Opfer mit sich. Das sind die Beschäftigten.
Wenn jetzt eine Ausweitung der Samstagsöffnung wieder ins Spiel gebracht wird, dann wird das eins bringen: Mehrarbeit und weitere massive Einschnitte ins soziale und familiäre Leben. Von der, im Gegensatz zu den Behauptungen der Regierungsparteien, immer häufigeren Sonntagsöffnung wollen wir nicht erst anfangen. Einige Ketten haben bereits jetzt jeden Sonntagmorgen geöffnet, sogar Ostersonntag morgens muss sich der /die Angestellte zur Arbeit deplatzieren, anstatt mit seiner Familie das Osterwochenende zu verbringen. Und manch Möbelriese schert sich einen Dreck um Sonntagsautorisationen während die Kontrollinstanzen wegsehen.
Familie, Kino, Restaurant, Sportverein, Ehrenamt, Freundeskreis: all das wird noch weiter aus dem Leben der Beschäftigten verdrängt. Mit fatalen Folgen:
Beziehungen gehen kaputt, dazu greifen Verschleißerscheinungen um sich. Psychosomatische Erkrankungen, unter denen schon heute viele Beschäftigte im Handel leiden, werden explodieren. Dann wird’s nur noch lapidar heißen: „nicht mehr tragbar fürs Unternehmen“.
Anstatt derartige Zustände an der Wurzel zu greifen, wird, wie vom Patronat gefordert, der Spitzeldienst gegen Kranke ausgebaut.
Eines werden längere Öffnungszeiten auf keinen Fall bringen: Arbeitsplätze.
Dass CSV und LSAP dem Druck der UEL nachgeben kann man deutlich als Wählertäuschung bezeichnen. Keine der beiden Parteien hatte die Ausweitung der Ladenöffnung konkret im Wahlprogramm. Nur die DP wollte die Liberalisierung.
Die zunehmende Präkarisierung welche sich im Sektor „Handel“ vollzieht ist auch in vielen anderen Bereichen spürbar. Leider gibt es wenig Beistand für die Positionen der präkariserten Lohnabhängigen und ihrer Probleme.Eine Aktionseinheit aller fortschrittlichen politischen und gewerkschaftlichen Kräfte ist nötig, um die Position der Angestellten und ArbeiterInnen zu stärken.
Luxemburg, den 28. Juli 2009
www.jonklenk.lu